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Die Insel Reichenau-Wissenswertes




Inselfeiertage

Die Reichenau hat noch drei spezielle Feiertage, die im Rest von Deutschland nicht so bekannt sind. Die Reichenauer feiern das Markusfest am 25.April. Die Reliquien dieses Evangelisten sollen im Jahr 830 durch Bischoff Rathold von Verona, dem Gründer der Stadt Radolfzell, in die Benediktinerabtei gekommen sein. Der höchste Inselfeiertag ist das Heilig-Blut-Fest, das Montag nach Dreifaltigkeit gefeiert wird. Die Heilig-Blut-Reliquie ist ein kleines byzantinisches Abtskreuz aus vergoldetem Silber. Es kam im Jahr 925 auf die Insel, was ein unbekannter Mönch in einem sogenannten Translationsbericht festgehalten hat. Es finden an diesen Tagen, sowie an Mariä Himmelfahrt, am 15.August, wo das Patrozinium des Müsters im Mittelpunkt steht, und an Fronleichnam, Festgottesdienste und Prozessionen mit der Reichenauer Bürgerwehr und den traditionellen Trachten statt.

Gnadensee

Woher kommt der Name? Zur Zeit des Reichenauer Klosters wurden auf der Insel auch Todesurteile ausgesprochen aber nicht vollstreckt. Deshalb wurden die Verurteilten mit einem Boot nach Allensbach zu einer Hinrichtungsstätte gefahren. Für die Verurteilten bestand noch Hoffnung, wenn während der Überfahrt eine Glocke im Münster geläutet wurde, wurden sie begnadigt. Auch heute noch erinnern die Allensbacher Galgenvögel an Fasnacht daran.

Weltkulturerbe

Am 30.November 2000 wurde die Insel Reichenau auf die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen. Neben dem Kloster Maulbronn ist die Inel Reichenau das zweite Weltkulturerbe in Baden-Württemberg. Ihr Benediktinerkloster spielte zur Zeit des Mittelalters eine bedeutende religiöse und kulturelle Rolle. Heute sind noch die drei Kirchen Zeugen dieser damaligen Ruhmeszeit. Näheres zu den Kirchen findet Ihr auch unter "Geschichte".

Geologie

Ein System von würmeiszeitlichen schotter- und moränenerfüllten, 50 bis 80 m teifen Rinnen durchzieht den Hegau von Konstanz über Markelfingen-Singen-Gottmadingen bis nach Schaffhausen. Eine genaue Darstellung der schottererfüllten Rinnen in Schaffhausen zeigt im Norden die mit rißeiszeitlichen Schottern erfüllte Rinne, die im Klettgau verläuft (Klettgaurinne) und im Süden die Rheinfallrinne, deren Schotterfüllung mit der Bezeichnung "Rinnenschotter" versehen wurde. Infolge der Verfüllung der Rheinfallrinne mit Schottern und Würmmoränen suchte sich der Rhein nach dem Abschmelzen des Gletschers einen neuen Weg südlich der alten Rinne und stürzt als Rheinfall über Jurakalksteinfelsen in die alte, tief ausgeräumte Rinne.
Die Rinnen sind in der Regel in ihrem unteren Teil von 10 bis 50 m mächtigen Schotter, der als Rinnenschotter bezeichnet wird, erfüllt. Darüber folgen Geschiebemergel, Beckenton und in weiter Verbreitung würmeiszeitliche Terassenschotter. Der Rinnenschotter besteht aus sandigem Grobkies, der fest gelagert und zum Teil zu Nagelfluh verfestigt ist. Die Geröllzusammensetzung der Rinnenschotter ist durch 20-30 % Kristallingerölle gekennzeichnet. In der Aachrinne und unter dem Stadtgebiet von Singen erhält der Rinnenschotter in seinem unteren Lagen reichlich Gerölle aus Weißjurakalk. Von Singen bis Schaffhausen treten in den unteren Lagen große Phonolithgerölle auf.
Zwischen Konstanz und Markelfingen und bei Weiler südlich Radolfzell liegen Schotter am Rand des Untersees unter würmeiszeitlichen Drumlins. Sie werden als Drumlinkiese bezeichnet. Nach ihrer Ausbildung und nach den Lagerungsverhältnissen kann man ihren tiefen Teil mit den Rinnenschottern des Singener Beckens verbinden. Hierzu gehören vielleicht auch die Kiese unter der Insel Reichenau und unter den Drumlinhügeln Mettnau-Radolfzell.

Fasnacht

Der Ursprung der Fasnacht reicht bis in eine Zeit zurück, da sich das Christentum mit den naturverbundenen kulitschen Bräuchen der heimischen Bevölkerung auseinandersetzte und ihnen zumeist neuen Inhalt und christliche Bedeutung verlieh. Das Brauchtum hat sich zum großen Teil aus vorchristlicher Mythologie entwickelt. die Rieten und Zauberspiele bekämpften die Dämonen des Winters uns sollten gleichzeitig die Vorfreude auf den kommenden, neues Leben weckenenden Sommer ausdrücken. Die Mächte des Winters wurden durch erschreckende Masken, Tänze und durch ohrenbetäubenden Lärm vertrieben. Alle sog. Weissnarren sind Hansele und alle Hansele sind ursprünglich Teufelsgewänder gewesen.
Auf der Reichenau und auch in Konstanz wird die Straßen-Fasnacht noch richtig gefeiert. In Konstanz gibt es so viele Fasnachtsvereine, daß ich es nicht einmal schaffe, sie alle aufzuzählen. Zu den -meiner Meinung nach- schönsten Masken gehören die Saubachgeister, die Schneeschreck, die Münster- Ried- und Wollmatinger Hexen, die Seegeister, die Konstanzer Teufel, Konstanzer Unholde und Wölfe, die Moorschrat aus Dettingen oder meine allerliebsten: die Wüeschte Sierche
Zu den Weißnarren gehören die Altkonstanzer Hansele.
Am meisten Anhänger haben aber die Konstanzer Blätzlebube. Bei Umzügen ist es wundervoll anzusehen, wenn ganze Straßenlängen ausschließlich voller Blätz sind, man nur noch ihre roten Kämme sieht und alle wild hüpfend auf ihre Britschen schlagen.
Aber auch die Reichenauer Grundele haben schon viele Mitglieder, wenn auch bei Narrentreffen nie alle teilnehmen. Eine Grundel ist der kleinste Fisch im Bodensee. Aber die Straßenfasnacht auf der Insel wird nicht allein durch den Narrenverein der Grundele bestimmt. Auf der Reichenau wird schon lange vor Fasnacht geplant, gebaut, genäht. Es schließen sich Gruppen zusammen, die sich ein bestimmtes, ganz geheimes Thema ausdenken. Dann werden Kostüme genäht, ein Traktor mit Anhänger wird umgebaut und angemalt. Am Morgen des Schmotzge Dunnschtig werden dann mit diesen Weckerwägen die Bewohner der Insel mit lauter Musik und sonstigem Krach geweckt. Die Weckerwägen treffen sich außerdem bei bestimmten Adressen, zum Beispiel in der Garage des Bürgermeisters, wo sie etwas zu essen und zu trinken bekommen. Die Wecker befreien dann gemeinsam mit den Elferräten und den Grundelen die Kinder aus dem Kindergarten und der Schule.
Nachmittags findet dann ein Umzug mit allen Wägen zur Ergat statt. Auf der Ergat findet die Fasnacht statt. Dort wird der Narrenbaum gesetzt, findet das jährliche Fasnachtsprogramm statt, wie zum Beispiel die Grundeletaufe, und dort sind auch Freßbuden und ein Karusell aufgebaut. Am Abend veranstallten die Inselnarren einen Hemdglonkerumzug. Der schöste Hemdglonkerumzug windet sich allerdings durch die alten Gassen der Niederburg in Konstanz und wird vor allem von den Konstanzern Schülern bestimmt, die auf beleuteten Plakaten mal ihren Lehren die Meinung sagen! Am Fasnachtsunndig und Mändig steht die Reichenauer Fasnacht unter einem bestimmten Motto, unter dem dann Umzüge und sonstige Veranstaltungen stattfinden. Die Insulaner sind dabei immer sehr kreativ und haben wirklich eine glückseelige Fasnacht. Am Fasnachtsdienschdig wird die Fasnacht dann unter großem Geheul und unter Tränen verbrannt, um dann am 11.11. des folgendes Jahres wieder geweckt zu werden.

Hochwasser

Pfingsten 1999 war zum ersten mal, seit ich denken kann, die Allee überschwemmt. Ich hätte nie gedacht, das zu erleben. Es war sehr unglaubwürdig als eine Durchsage per Lautsprecher zu hören war, daß in kürze, die Allee gesperrt würde. Der Pegel in Konstanz stieg auf 5,65m und nur noch der Pedelbus, der stündlich eine Verbindung zum Festland bot, und Lastwägen durften den Damm passieren. Die ersten Tage war die Bundeswehr auf der Insel vertreten, sicherten die Stromversorgung und bauten eine kleine Brücke am Yachthafen, damit die Insulaner auch mit dem Schiff nach Allensbach fahren konnten, weil die Anlegestelle selbst auch unter Wasser lag. Außerdem sorgte die Bundeswehr für die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten und lieferten Gemüse ans Festland. Die Soldaten waren sehr hilfbereit und nahmen auch Passanten, die auf den Bus warteten, mit in ihren Unimogs. Ebenso sind das technische Hilfswerk, die freiwillige Feuerwehr und die Gemeindefahrzeuge nie leer gefahren. Manche Häuser waren auf der Insel nicht mehr trockenen Fusses erreichbar. Und das Hochwasser war eine enorme Belastung für alle Bewohner. Ein Großteil der Gemüseernte war kaputt, der Tourismus blieb größtenteils aus und für Pendler stellte das Hochwasser ein enormes Hindernis dar. Viele Leute, die in Konstanz arbeiteten, quartierten sich bei Freunden ein, da sie sonst nicht rechtzeitig zur Arbeit kamen oder abends nicht mehr nach Hause. Manche bildeten Fahrgemeinschaften mit der Gundel nach Konstanz. Die meisten haben ihr Auto ans Festland schleppen lassen und am Kindlebild oder in Allensbach stehen lassen um wenigstens nach der Allee mobil zu sein. Trotz allem haben die Insulaner aber ihren Humor behalten und an der Allee ein Schild angebracht auf dem geschrieben stand: "Freistaat Reichenau- 2. Versuch", da 1965 bereits schon einmal der Damm unter Wasser stand (und anschließend erhöht wurde). Das Hochwasser war zu Beginn ein Erlebnis aber nach 3 Wochen wurden die Bewohner der Insel ungeduldig und gereizt. Aber dann endlich sank der Pegel und der Damm durfte wieder mit normalen Autos befahren werden. Die Schäden waren groß aber die Gemüsebauern erhielten einen Zuschuß vom Land.

Hochwasserbilder


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