die Julia
meine Katzen
meine Schafe
mein Hase
meine Insel
Zahlen
Geschichtliches
Wissenswertes
Baden
Links

Haus am See
Kunst
Diplomarbeit
Dinosaurier
Gästebuch

HOME

Die Insel Reichenau-Geschichtliches




Um auf die Insel Reichenau zu gelangen, muß man als erstes die Allee passieren. Dieser von Pappeln gesäumte Damm verbindet die Reichenau seit 1838 mit dem Festland. Zu Beginn der Insel wird man von einer übergroßen Statue des heiligen Pirmin begrüßt. Er kam 724 als Wandermönch auf die damals recht unwirtliche Insel, um hier auf Geheiß Kaiser Karls des Großen ein Kloster zusammen mit 40 Mönchen zu gründen. Ziel war es die Alemannen zum christlichen Glauben zu bekehren. Eine Legende sagt, daß Schlangen, Ungeheuer und sonstiges Teufelsgetier ins Wasser flohen, als der heilige Pirmin die Insel betrat. Ähnlich wie der heilige Otmar in St.Gallen mußte Pirmin bereits 727 die Insel wieder verlassen infolge der fränkischen Hausmachtpolitik gegenüber den alemanischen Herzögen. In der Ortenau, im Elaß und in der Pfalz trat er später als Gründer und Reformator weiterer Benediktinerklöster auf. Unter seinem Nachfolger Hatto begann der Aufstieg der Klostergründung auf der Reichenau. Der mit Kaiser Karl politisch eng verbundene Abt Waldo legte dann den Grundstein zu einer glanzvollen Entwicklung, die die karolingische Abtei zu einer der bedeutesten und einflußreichsten des christlichen Abendlandes machte. Er begründete den Ruhm der Klosterschule und der Bibliothek. Unter den nachfolgenden Äbten Heito I., Erlebald, Ruadhelm und Strabo erlebte das Inselkloster kulturell sein "goldenes Zeitalter". Abt Walafried Strabo (842-849) war Gelehrter, Dichter und bester Lateiner seiner Zeit. Er schrieb beispielsweise "De cultura hortorum", kurz Hortulus genannt, indem Pflanzen des Klostergartens beschrieben werden - die erste schriftliche Quelle des Gartenbaus.

Der heilige Pirmin mit der Kirche St.Georg im Hintergrund



Politisch gelangte die Abtei später zu bedeutendem Einfluß im Reich Abt Hatto III, der 891 durch Kaiser Arnulf zum Erzkanzler des Reiches berufen wurde. Unter ihm wurde auch 818 der erste Rebstock auf der Insel gepflanzt. Über viele Jahrhunderte hinweg bildete später der Weinbau die Grundlage der kleinen landwirtschaftlichen Familienexistenzen. Heute kümmert sich die kleinste Winzergenossenschaft Badens um den Vertrieb des Reichenauer Weins (Müller-Thurgau, Gutedel, Grauburgunder und Kerner). Die Blütezeit des Klosters ging mit Abt Benno (1008-1046) zu Ende, weil die Karolinger ihre Vorherschaft im Reich verloren. Daneben sorgte eine langjährige Fehde mit dem Kloster St. Gallen dafür, daß Reichtum und Bedeutung der Reichenau schwanden. Vom 12. Jahrhundert an verlangte der Adel, daß die Abtei Reichenau nicht nur Söhne erzieht, sondern auch für diese reserviert bleibt - wodurch dem Kloster der Nachwuchs ausging. Papst Formosus schenkte 896 als Reliquie für die neue Kirche St.Georg in Oberzell das Haupt des heiligen Georg. Es befindet sich noch heute im Hochaltar dieser Kirche.
Sie wurde unter Abt Hatto III. von 888 bis 913 errichtet. So nachhaltig das ebenso wuchtig wie schlicht in Erscheinng tretende Bauwerk schon von außen auf uns wirken mag, seinen stärksten Eindruck hinterläßt doch das monumentale Innere dieser frühen Säulenbasilika. Zu ihren herausragenden kunstgeschichtlichen Schätzen zählen die unter Abt Wittigowo um das Jahr 1000 enstandene Bilderzyklen an den Längswänden des Mittelschiffs. Diese Acht Szenen der Wundertaten Jesu gehören ikonographisch zu den Höhepunkten der Reichenauer Malerschule. An der Nordwand des des Vorchors befindet sich das bekannte Bild der Teufel, die das Geschwätz der Frauen auf eine Kuhhaut schreiben. Es stammt aus dem Jahr 1308. Von 1982-1988 wurden die Wände gereinigt und die Farben der Bilder fixiert.

Kirche St.Georg, die gleich zu Beginn der Insel in Oberzell zu finden ist  

Die renovierten Fresken im Innern der St.Georg Kirche



Der höschste Punkt der Insel ist die Hochwart, ein zweigeschossiges Teehäuschen aus Holz gebaut Ende des 18. Jahrhunderts. Hier oben bietet sich inmitten der nach allen Seiten zum See abfallenden Weinberge ein unvergeßlicher Rundblick über die "Reiche Au". Der ursprüngliche Name der Insel war "Sindleozesauua", aber die damaligen Mönche nannten sie nur Ow, Auua, Augia, später auch Augia felix oder Augia dives. Daraus wurde dann Richenow- Reichenau.
Das eindrucksvollste Gotteshaus ist das Marienmünster, ein Meisterwerk mittelalterlicher Sakralarchitektur aus vielen Jahrhunderten, fast 1000 Jahren Baugeschichte. Diese alte, den heiligen Maria und Markus geweihten, ehemalige Benediktiner-Abteikirche war einmal das größte Gotteshaus auf deutschem Boden. Es wurde 724 als Klosterkirche vom Heiligen Pirmin gegründet. Die lange Baugeschichte reicht von der Romanik bis zur Gotik. In der Innenausstattung der Kirche finden sich auch barocke Elemente. Der Markuschor im Westen entstand nachdem die Reliquien des Heiligen auf die Reichenau gelangt waren. Die kreuzförmige Hauptbasilika mit den mächtigen Pfeilern und der schiffsrumpfartigen Deckenkonstruktion ist der Mutter Gottes geweiht. Die Kirche war früher reich ausgestattet, heute dokumentieren nur noch wenige Zeugnisse diese Zeit, zum Beispiel der Helig-Blut-Altar von 1739, der auch Aufbewahrungsort der Heilig-Blut-Reliquie ist. Außerdem befinden sich in dieser Kirche noch die Grabplatte von Kaiser Karl, dem Dicken (gestorben 888), eine Sandstein-Madonna mit Kind (um 1300) und im spätgotischen Chorgestühl ein Sakramenthäuschen und ein großer Flügelaltar. Sehenswert ist auch die Münsterschatzkammer. Von der einstigen Bedeutung des Reichenauer Kunstsschaffens, der frühen Handschriften- und Buchmalerei und der Goldschmiedekunst, bleiben auf der Insel nur wenige Zeugnisse erhalten.



  
Das Münster Maria und Markus in Mittelzell

Die Niederzeller Kirche Peter und Paul




In Niederzell wurde die Kirchen St.Peter und Paul im Jahre 799 von dem Veroneser Bischoffs Egino geweiht. Er fand in dieser doppeltürmige Kirche 802 seine letze Ruhestätte. Sie wurde als "Leutkirche" für Fischer, Bauern und Händler gebaut und ist ebenfalls romanischen Ursprungs. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche oftmals umgestaltet. Nach zwei Bränden wurde gegen Ende des 11. Jahrhunderts das ganze bis dahin entstandene Baugefüge abgebrochen und die heutige Basilika erbaut. In der Barockzeit erhielten Schiff und Westfassade einen farbigen Anstrich. Auch in St.Peter und Paul sind Wandmalereien zu finden. Die freiglegten Fresken zeigen Apostel und Propheten über denen Christus throhnt. Heute schmückt das romanisch-gotische Kirchenschiff als einziges auf der Reichenau eine stilvolle Rokokodecke.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es noch zwei weitere Gotteshäser. St.Johann, eine Pfarr- und Begräbniskirche für die Laiengemeinde aus der zweiten Hälfte des 10.Jahrhunderts, und St.Adalbertkirchen, von Papst Leo IX. 1049 geweiht. Es gab außerdem noch zahlreiche Kapellen. Eine steht noch am Anfang des seit 1838 aufgeschütteten Damms: Die Kindlebildkapelle. Der Name verrät die Funktion - hier wurden die ungetauften Kinder bestattet, jenseits des heiligen Inselbodens. Die frühbarocke, zweijochige Wegkapelle mit inschriftlich 1644 datiertem Sandaltar, der die Passionsfrömmigkeit der Zeit bildlich umsetzt. Die Drachenkämfer St.Michael und St.Georg auf der linken Wand schützen den Inselzugang vor allem Bösem. Die trauernde Maria auf der rechten Wand bezieht sich auf den ehemals dort hängenden Kruzifix des 12. Jahrhunderts, der mittlerweile in der Münsterschatzkammer, ursprünglich wohl der Triumphkruzifix in St.Peter und Paul in Niederzell.
Ebenfalls zum Schutz des Inselzugangs diente die heute Burgruine Schopflen, eine Wasserburg des Reichenauer Abtes im 13. Jahrhundert. Zerstört wurde sie 1365 beim "Konstanzer Fischerkrieg". Die Turmmauern sind bis zu 2,5 m mächtig und bis zu 9 m hoch. Das obere Holzgeschoß wurde gänzlich zerstört. Der Zugang zur Insel war früher eine Untiefe im See, die 1838 aufgeschüttet und seit dem bis in die Gegenwart mehrfach erhöht wurde.
Mittelpunkt der bürgerlichen Ansiedlung außerhalb der Abtei war die Ergat, Almende und Dorfplatz. Sie war im Norden begrenzt durch den Pfarrhof und im Süden durch den Sitz des äbtlichen Ammanns, des Oberhauptes des Fleckens Reichenau, später auch Rathaus. Davor befand sich ein heute zugeschütteter Ziehbrunnen. Unter den Linden ist eine sehr alte, nach unüberprüfbarer mündlicher Überlieferung die 700jährige Gerichtslinde. Noch heute versammelt sich die Gemeinde zu Festtagen und an Fasnacht auf der Ergat vor dem alten Rathaus, dem heutigen Heimatmuseum.



aus: Heinz Finke (1990):"Inselspaziergänge", Rosgarten Verlag/Südkurier GmbH Konstanz.
und: Südkurier Ausgabe Pfullendorf, Messkirch vom 1.12.00.




Top